BERLIN
„Berlin ist dazu verdammt, immer zu werden, niemals zu sein“, schrieb 1910 der deutsche Kunstkritiker Karl Scheffler. Auch zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer wandelt sich die Stadt auf der Suche nach sich selbst stetig weiter.
Die ganze Welt in einer Stadt
Arm, aber sexy. Dorf und Weltstadt, Ost und West, Großstadtdschungel und grüne Lunge mit Wäldern, Parks und Seen: Berlin ist alles in einem und alles zugleich. Kein Wunder, dass hier der Eigensinn oft besonders bunte Blüten treibt.
So wild, so lang
Berliner Nächte sind legendär. Fast wöchentlich finden Partymacher neue Locations. Am besten, du bleibst dir selbst treu. Denn die wichtigste Währung im Berliner Nachtleben ist Authentizität.
Hör auf deinen Bauch
"Drink ick noch eenen? Mein Magen sagt ja, mein Kopp sagt nee. Mein Kopp is klüger als mein Magen. Und der Klügere jibt nach. Also drink ick noch eenen!"
Die ganze Welt in einer Stadt
Arm, aber sexy. Dorf und Weltstadt, Ost und West, Großstadtdschungel und grüne Lunge mit Wäldern, Parks und Seen: Berlin ist alles in einem und alles zugleich. Kein Wunder, dass hier der Eigensinn oft besonders bunte Blüten treibt.
Frauen mit Bobfrisuren flanieren die Kastanienallee hinunter. Auf ein Straßenschild hat jemand „Castingallee“ geschrieben, schließlich arbeiten in den kleinen Cafés und Boutiquen der Trendmeile in Prenzlauer Berg viele angehende Schauspieler und Models – und warten auf ihren großen Durchbruch.
An den Tischen klappen junge Kreative ihre Laptops auf: Bohemiens, Künstler und Lebenskünstler, die immer ein Projekt haben, eine Geschäftsidee, ein Vorsprechen, ein Buch. Draußen auf der Straße schieben Mütter und Väter ihre Kinderwagen vorbei, während in den Seitenstraßen Männer in Ballonseide ihren Einkauf nach Hause schleppen und der Bäcker an der Ecke mit dem herben Charme Berliner Stehaufmännchen seine Kunden bedient.
In Berlin kann jeder sein, wie er will – Einheimische genauso wie Zugereiste, die aus der Provinz nach Kreuzberg, Prenzlauer Berg oder Mitte gezogen sind, um dort ihre urbane Pubertät nachzuholen und „an einem großen Mittelpunkt zu leben, in einem Zentrum, wo entscheidende Dinge geschehen“, wie der Schriftsteller Theodor Fontane einst schrieb. Und gemessen an Berlin ist fast jeder Ort in Deutschland Provinz. Irgendwie langweiliger, kleiner sowieso.
„Berlin ist dazu verdammt, immer zu werden, niemals zu sein“, schrieb 1910 der deutsche Kunstkritiker Karl Scheffler. Auch zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer wandelt sich die Stadt auf der Suche nach sich selbst stetig weiter. Natürlich, Wahrzeichen wie das Brandenburger Tor, der Fernsehturm auf dem Alexanderplatz, die Siegessäule oder der Reichstag sind geblieben, an vielen Ecken weht einem der Hauch der Geschichte ins Gesicht.
Auf dem Potsdamer Platz jedoch, einst Niemandsland im Schatten der Mauer, stehen die monumentalen Neubauten von Großinvestoren. „Ich kann den Potsdamer Platz nicht finden, ich kann ihn nicht finden“, sagt der alte Homer im „Himmel über Berlin“ von Wim Wenders, als er über die Brache irrt und einen Ort sucht, der nur noch in seiner Erinnerung existiert. Homer würde den Potsdamer Platz auch heute nicht wiedererkennen. Dafür könnte er im Komplex aus Chrom, Glas und Granitstein auf eine spannende Entdeckungstour gehen. Und feststellen, dass der Wandel die verlässlichste Konstante in Berlin ist.
So wild, so lang
Berliner Nächte sind legendär. Fast wöchentlich finden Partymacher neue Locations. Wer dem Trend hinterherlaufen möchte, verliert schnell die Orientierung. Am besten, du bleibst dir selbst treu. Denn die wichtigste Währung im Berliner Nachtleben ist Authentizität.
SAPHIRE LOUNGE
SAPHIRE LOUNGE
Besonders wild sind die Nächte in der Tanzwirtschaft Kaffee Burger (Torstr. 60, www.kaffeeburger.de), in der Bestsellerautor Wladimir Kaminer alle zwei Wochen zur Russendisko einlädt. Und im Privatclub: Mal legen im Keller unter dem Weltrestaurant Markthalle japanische DJanes auf, mal lässt Live-Musik die unverputzten Mauern wackeln. Ab Mitternacht wird es voll, auf der Tanzfläche vergnügen sich entspannte Nachtschwärmer wie du und ich (Pücklerstr. 34, www.privatclub-berlin.de).
Familiär geht es auch in Clärchens Ballhaus (Auguststr. 24, www.ballhaus.de) und im Abraxas (Kantstr. 134) zu. Hier gibt sich der Türsteher einlassfreudig, das Publikum unprätentiös. Gespielt wird Latin und Jazz, Funk und Soul. In den kleinen Räumen mit der oft rappelvollen Tanzfläche kommt man sich schnell näher, getanzt wird bis zum Umfallen.
Fünfmal wechselte das Cookies zwischen 1994 und 2001 die Location, ehe die Party-Institution vor zwei Jahren in den Räumen des ehemaligen französischen Kulturinstituts ihr Comeback feierte. Die Tür ist hart wie eh und je. Nur wer Style hat, kommt hinein (Unter den Linden/Friedrichstraße, www.cookies-cream.de).
KAFFEE BURGER
Wenn du auf Techno und Electro stehst, bist du im Berghain richtig. Das stillgelegte Heizkraftwerk mit dem industriellen Flair hat zwei Floors und vier Bars, die Panoramabar lockt mit chilligem Ambiente und Kunst an den Wänden. Allerdings musst du erst einmal am Türsteher vorbeikommen (Am Wriezener Bahnhof, www.berghain.de). Ähnliche Sounds hörst du im Tape. In der Lounge und auf der kleinen Terrasse kannst du entspannen und neue Kräfte sammeln (Heidestr. 14, www.tapeberlin.de).
Drei Ebenen, fünf Bars und ganz viel Bling-Bling: Das Adagio unter dem Theater am Potsdamer Platz zählt zu den größten Clubs Berlins. Umgeben von barockem Mobiliar kannst du stundenlang feiern, immer wieder Neues entdecken – und andere Gäste beim Posen beobachten (Marlene-Dietrich-Platz, www.adagio.de).
Wer bei chilligem Sound die Nacht mit leckeren Drinks in angenehmer Atmosphäre ausklingen lassen möchte, ist in der neu eröffneten Saphire Lounge genau richtig. Im 80er-Retro-Stil besticht der Innenraum mit seiner Kombination aus dunklem Holz, Edelstahl und hellem Leder – neben einer Auswahl an 300 Cocktails und 60 Ginsorten, lockt eine große Terrasse zum Verweilen an lauen Sommernächten. (Sredzkistraße 62, www.saphirebar.de)
Hör auf deinen Bauch
"Drink ick noch eenen? Mein Magen sagt ja, mein Kopp sagt nee. Mein Kopp is klüger als mein Magen. Und der Klügere jibt nach. Also drink ick noch eenen!", berlinerte einst der Zeichner und Maler Heinrich Zille. Wir stellen einige der besten Bars der Stadt vor.
Harry's New York Bar
Saphire Bar
Im Restaurant Bar Paris trifft sich die Berliner Schickeria, viele der Künstler und Filmleute, die hier einkehren, kennt man aus den Boulevardblättern. In der Bar du Paris Bar nebenan feiern hippe Szenegänger, umgeben von Gemälden und Statuen (Kantstraße 152). Eine große Auswahl an Whiskys und Cocktails findest du in der Saphire Bar. Die Bar teilt sich in zwei elegante braun-beige-bernsteinfarbene Lounge-Bereiche, die Gäste können es sich auf weißen Ledersofas gemütlich machen (Bötzowstr. 31, www.saphirebar.de).
Ovale Deckengewölbe, ovaler Tresen, ovale Glasfront: Das Riva, benannt nach dem italienischen Fußballstar Luigi Riva, verzichtet weitgehend auf Ecken und Kanten. Models und gut situierte Anzugträger nippen lässig am Drink und checken die Lage (Dircksenstraße 142, www.riva-berlin.de). Nobel geht es auch in der Victoria Bar zu, in der sich vor allem Schöneberger Geschäftsleute und Medienmacher mit Sinn für Retro-Stil und Luxus, Jazz und Soul treffen. Ledersofas und dunkles Holz prägen das preisgekrönte Interieur, die flinken Barkeeper hinter dem langen Tresen mischen exzellente Cocktails (Potsdamer Str.102, www.victoriabar.de).
Riva Bar
Früher war in den schlicht gestalteten Räumen der CSA Bar die tschechoslowakische Luftfahrtgesellschaft untergebracht, geblieben ist ein Teil der Inneneinrichtung. Die fand der italienische Designer Giorgio Armani so gelungen, dass er in der Location seine Kollektion fotografieren ließ. Die hervorragenden Mixgetränke werden stets mit einem Glas Wasser serviert (Karl-Marx-Allee 96, www.csa-bar.de).
„The Power of Positive Drinking“, lautet das Motto des Green Door. Die Institution im Sixties-Style mit der Hundelampe und den Karo-Tapeten ist vor allem am Wochenende gut besucht. Wer es am Türsteher vorbeischafft, wird den kleinen Raum so schnell nicht wieder verlassen. Schließlich hast du die Wahl zwischen 150 Cocktails (Winterfeldtstr. 50, www.greendoor.de).
Sehr gute Drinks und Live-Jazz vom Pianisten lassen die Gäste der mehrfach prämierten Harry’s New York Bar im Grand Hotel Esplanade den Alltag vergessen (Lützowufer 15). Mit einem ganz besonderen Hingucker lockt die Atrium Lobby Lounge & Bar des Radisson Blu, denn hier sitzt du unterhalb eines 25 Meter hohen Aquariums mit 2500 Fischen (Karl-Liebknecht-Stra?e 3, www.radissonblu.com/hotel-berlin).
Atrium Lobby Lounge & Bar, Radisson Blu Hotel